Die Körnung gibt an, wie grob oder fein das Schleifmittel auf dem Papier ist, angegeben als Zahl mit vorangestelltem P, zum Beispiel P80 oder P240. Dabei gilt eine Regel, die viele zuerst falsch herum im Kopf haben: Je höher die Zahl, desto feiner das Korn. P40 trägt aggressiv Material ab, P400 poliert nur noch fein nach.
Wie die Körnungszahl zu lesen ist
Die Zahl hinter dem P bezieht sich auf die Maschenweite des Siebs, mit dem die Schleifkörner bei der Herstellung sortiert werden. Ein P80-Papier ist durch ein Sieb mit 80 Öffnungen pro Zoll gelaufen, ein P240-Papier durch eines mit 240 Öffnungen. Mehr Öffnungen auf derselben Fläche bedeuten kleinere Maschen, und kleinere Maschen lassen nur feineres Korn durch. Deshalb dreht sich die Logik gegenüber dem, was viele erwarten: Eine kleine Zahl steht für grobes Korn, eine große Zahl für feines.
Diese Norm heißt FEPA (Federation of European Producers of Abrasives) und ist der Standard, den fast jeder Hersteller in Europa auf die Verpackung druckt. Amerikanische Produkte nutzen teils die CAMI-Norm, die bei mittleren und feinen Körnungen leicht andere Werte liefert. Für den Baumarkt-Einkauf in Deutschland reicht es, sich an die P-Zahlen zu halten, die auf praktisch jeder Packung stehen.
Warum das beim Kauf zählt
Wer die falsche Körnung kauft, schleift entweder ewig an einer Fläche herum oder zerkratzt sie, wo sie eigentlich glatt werden sollte. Ein Beispiel: Mit P400 entfernst du keine 30 Jahre alte Lackschicht von einem Gartentisch, das dauert Stunden statt Minuten. Umgekehrt hinterlässt P60 auf einer Fläche, die du fürs Lackieren vorbereitest, tiefe Kratzer, die später durch den Lack durchscheinen.
Passende Geräte findest du in der Kategorie Schleifmaschinen.
Für den täglichen Gebrauch lohnt sich ein kleines Sortiment statt eines einzelnen Papiers. Ein Satz mit drei bis vier Körnungsstufen zwischen P80 und P240 deckt die meisten Heimwerker-Aufgaben ab, von der ersten Grobbearbeitung bis zum Finish. Für Spezialaufgaben wie Autolack oder Möbelrestaurierung brauchst du zusätzlich sehr feine Körnungen ab P320.
Körnungsstufen für verschiedene Aufgaben
P40 bis P80 gilt als grobe Körnung und kommt zum Einsatz, wenn viel Material weg muss: alte Farbe oder Lack entfernen, verzogene Dielenbretter abschleifen, Rost von Metall lösen oder eine sehr unebene Fläche einebnen. Bei dieser Stufe hinterlässt das Papier deutliche Riefen, die im nächsten Schritt wieder verschwinden müssen.
P100 bis P150 ist die mittlere Körnung für den normalen Vorschliff. Hier entfernst du die groben Riefen der vorherigen Stufe und bereitest die Fläche auf den Feinschliff vor. Die meisten Werkstücke aus Massivholz durchlaufen diese Stufe, bevor es an die Oberflächenbehandlung geht.
P180 bis P240 zählt als feine Körnung für den Zwischen- und Endschliff vor dem Lackieren, Ölen oder Beizen. Nach dieser Stufe fühlt sich Holz bereits glatt an, und die Oberfläche nimmt Farbe oder Öl gleichmäßig auf. Wer hier aufhört, bekommt ein solides Ergebnis für die meisten Möbelstücke.
P320 und feiner ist für den Hochglanzschliff zwischen einzelnen Lackschichten gedacht, etwa bei Möbellackierungen oder Autolackreparaturen. In diesem Bereich schleifst du keine Struktur mehr weg, sondern nur noch winzige Unebenheiten der vorherigen Lackschicht, damit die nächste Schicht gleichmäßig haftet.
Bei welcher Körnung du startest, hängt auch davon ab, ob du von Hand oder mit einer Maschine arbeitest. Ein Exzenterschleifer trägt bei gleicher Körnung mehr Material ab als der Handschliff, weil er die Fläche schneller und gleichmäßiger bearbeitet. Bei dünnem Furnier oder empfindlichem Massivholz startest du deshalb lieber eine Stufe feiner als beim Handschliff, sonst schleifst du schneller durch die Oberfläche, als geplant. Klett-Schleifscheiben für Maschinen gibt es in denselben P-Körnungen wie Bogenpapier, achte beim Kauf nur auf das passende Lochbild für die Staubabsaugung.
Warum du keine Körnungsstufe überspringen darfst
Jede Körnungsstufe hinterlässt Kratzer, auch wenn sie mit bloßem Auge kaum sichtbar sind. Eine feinere Stufe entfernt diese Kratzer nur bis zu einer gewissen Tiefe. Springst du zu weit, bleiben die Riefen der gröberen Stufe unter der glatt wirkenden Oberfläche erhalten. Sobald du dann lackierst oder beizt, treten sie als sichtbare Linien wieder hervor, weil Lack und Beize Unebenheiten eher betonen als kaschieren.
Als Faustregel gilt: Von einer Stufe zur nächsten sollte sich die Körnungszahl höchstens verdoppeln. Von P80 gehst du also zu P150 oder P180, nicht direkt zu P400. Bei jedem Wechsel schleifst du zusätzlich quer zur vorherigen Schleifrichtung. So siehst du sofort, ob noch alte Kratzer übrig sind, bevor du weitermachst.
Körnung nach Material
Bei Holz startest du je nach Zustand bei P60 bis P80 und arbeitest dich bis P220 oder P240 vor, für offenporige Hölzer wie Eiche reicht das meist. Metall verträgt aggressivere Startwerte um P40 bis P60, wenn Rost oder alte Beschichtung entfernt werden müssen, für den Feinschliff vor dem Lackieren genügen dann P180 bis P240. Bei Lackflächen zwischen zwei Anstrichen reichen oft schon P320 bis P600, weil hier nur die letzte Schicht angeraut wird, nicht das Grundmaterial.
Stein und Fliesen liegen nochmal anders: Hier startest du häufig mit speziellen Diamant-Schleifmitteln statt klassischem Schleifpapier, die eigene Körnungsreihen mit deutlich höheren Zahlen nutzen. Für Heimwerkerprojekte an Holz und Metall reichen die klassischen P-Körnungen zwischen P40 und P400 in fast allen Fällen aus.
Kunststoff und Verbundwerkstoffe wie Arbeitsplatten aus HPL schleifst du am besten vorsichtig, weil grobe Körnung schnell weiße Schleifspuren hinterlässt, die sich kaum mehr entfernen lassen. Hier reicht meist ein Einstieg bei P150 bis P180, gefolgt von einem Feinschliff mit P400 oder feiner, falls die Fläche anschließend poliert werden soll. Wenn du unsicher bist, welche Körnung zu deinem Material passt, teste die gewählte Stufe zuerst an einer unauffälligen Stelle, etwa der Unterseite eines Werkstücks.