Auf jedem Kompressor-Datenblatt stehen zwei Druckwerte, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, aber unterschiedliche Dinge bedeuten: Enddruck und Arbeitsdruck. Wer beim Kauf nur den höheren Wert vergleicht, kann am Ende ein Gerät haben, das auf dem Papier stark aussieht, aber im Einsatz mit dem Druckluftwerkzeug nicht zurechtkommt.
Was der Enddruck bedeutet
Der Enddruck ist der maximale Druck, den der Kompressor im Kessel aufbaut, bevor der Motor automatisch abschaltet. Ein typischer Heimwerker-Kompressor erreicht hier 8 bis 10 bar. Sobald dieser Wert erreicht ist, stoppt der Motor, der Kessel bleibt als Druckluftspeicher stehen, bis du Luft entnimmst und der Druck wieder unter eine bestimmte Schwelle fällt, dann startet der Motor erneut.
Der Enddruck ist also ein Wert für den Kessel, nicht für das Werkzeug. Er sagt nichts darüber aus, mit welchem Druck die Luft tatsächlich am Ausgang deines Druckluftschlauchs ankommt.
Was der Arbeitsdruck bedeutet
Der Arbeitsdruck ist der Druck, der wirklich am Werkzeug anliegt. Er wird über einen Druckminderer oder Regler eingestellt, der zwischen Kessel und Ausgang sitzt, und liegt immer niedriger als der Enddruck im Kessel. Die meisten Druckluftwerkzeuge, ob Tacker, Schlagschrauber oder Farbspritzpistole, geben in ihrer Anleitung genau diesen Wert an, meist zwischen 4 und 8 bar, je nach Werkzeugtyp.
Der Regler am Kompressor erlaubt dir, den Arbeitsdruck passend zum jeweiligen Werkzeug einzustellen, unabhängig davon, wie hoch der Kessel gerade gefüllt ist. Ein zu niedrig eingestellter Arbeitsdruck lässt das Werkzeug schwach oder unregelmäßig arbeiten, ein zu hoher Wert kann empfindliche Werkzeuge beschädigen oder die Verarbeitungsqualität verschlechtern, etwa beim Lackieren.
Passende Geräte findest du in der Kategorie Kompressoren.
Warum du beim Kauf beide Werte kennen musst
Der häufigste Fehler beim Kompressorkauf: Der Enddruck des Geräts wird mit dem Arbeitsdruckbedarf des Werkzeugs verglichen, als wären es dieselbe Größe. Ein Kompressor mit 10 bar Enddruck klingt erstmal ausreichend für ein Werkzeug, das 6 bar Arbeitsdruck braucht. Entscheidend ist aber nicht nur, ob der Kessel diesen Druck erreichen kann, sondern ob er ihn bei durchgehendem Verbrauch auch halten kann, ohne dass der Motor ständig nachlaufen muss.
Dazu kommt der Druckverlust auf dem Weg vom Kompressor zum Werkzeug. In Schläuchen, an Schnellkupplungen und Verbindungsstellen geht Druck verloren, besonders bei langen oder dünnen Schläuchen und bei mehreren Kupplungen hintereinander. Wer den Arbeitsdruck exakt auf den Mindestwert des Werkzeugs einstellt, hat am Werkzeug selbst oft schon zu wenig Druck an. Deshalb lohnt sich eine Sicherheitsmarge von etwa 0,5 bis 1 bar über dem angegebenen Mindestbedarf des Werkzeugs.
Praktisches Beispiel
Nimm einen Druckluft-Nagler, der laut Hersteller mit 6 bar Arbeitsdruck arbeitet. Ein Kompressor mit 10 bar Enddruck reicht dafür grundsätzlich aus, sofern der Regler sauber auf etwa 6,5 bis 7 bar eingestellt wird, um den Verlust im Schlauch auszugleichen. Bei einem 10-Meter-Schlauch mit mehreren Kupplungen kann der reale Druck am Werkzeug sonst spürbar unter dem eingestellten Wert liegen, gerade bei dünneren Schlauchdurchmessern unter 8 Millimeter.
Bei durchgehendem Einsatz, etwa beim längeren Tackern oder Schrauben, zählt zusätzlich, wie viel Luft der Kompressor pro Minute liefern kann, angegeben in Liter pro Minute (l/min). Reicht diese Liefermenge nicht aus, sackt der Arbeitsdruck während der Nutzung ab, selbst wenn der Kessel anfangs mit vollem Enddruck gestartet ist.
So vergleichst du Kompressor und Werkzeug richtig
Schau zuerst in die Anleitung deines Druckluftwerkzeugs und notiere den benötigten Arbeitsdruck sowie den Luftverbrauch in l/min. Vergleiche diesen Wert dann nicht mit dem Enddruck des Kompressors, sondern mit dessen Luftfördermenge und Kesselgröße. Ein größerer Kessel gleicht kurzzeitige Verbrauchsspitzen besser aus und der Motor muss seltener nachlaufen.